Modul 17

Aufgaben

Lösungshinweise | Demonstrationsprogram
Die Module

Ein Matrizenkalkül zur Analyse und Synthese binärer Relationen

Verallgemeinerungen und Anwendungen
Teil 1


Eine binäre Relation in einer Menge
(1)
beschreibt das ,,in einer bestimmten Beziehung stehen``je zweier Elemente von , notiert durch
(2)
und faßt alle diese so ausgezeichneten geordneten Paare aus zu einer Menge
(3)
zusammen.
Beispiele für binäre Relationen sind: sie werden in der Informatik häufig als Beschreibungsmittel benutzt.

Neben

und kann eine binäre Relation in auch durch und dargestellt werden.

Für das gesamte Applikationsspektrum in Informatik, Elektrotechnik etc. sind die in Tabelle 1 zusammengestellten speziellen binären Relationen von großer Bedeutung. Eng verbunden damit ist natürlich die Frage der Konstruktion von formal und rechentechnisch (insbesondere für große ) gut handhabbaren Algorithmen zur Identifikation, Erzeugung, Extraktion, ... solcher spezieller binärer Relationen. Als Basis hierfür ist die charakteristische Funktion bzw. deren Wertetabelle, die Relationsmatrix ,besonders gut geeignet. Aus diesem Grunde sind bereits in Tabelle 1 die Definitionsgleichungen in - und -Notation angegeben.

Eine binäre Relation heißt ..., wenn sie die Bedingung ... erfüllt.
-Notation -Notation
reflexiv
irreflexiv
symmetrisch
antisymmetrisch
asymmetrisch
Daraus erhält man sofort , d.h. eine asymmetrische binäre Relation ist zugleich auch irreflexiv.
transitiv
Diese Definitionsgleichung hat die Form Ausdruck=Konstante. Sie läßt sich wie folgt in Variable=Ausdruck, überführen:

Damit ergibt sich schließlich die explizit formulierte Definitionsgleichung

intransitiv

mit (Inhibition).
Daraus folgt sofort d.h. eine intransitive binäre Relation ist zugleich auch irreflexiv.
Äquivalenzrelation Reflexivität
Symmetrie
Transitivität
irreflexive
Halbordnungsrelation
Asymmetrie
Transitivität
reflexive
Halbordnungsrelation
Reflexivität
Antisymmetrie
Transitivität

Tabelle 1: Spezielle binäre Relationen in

Die in Tabelle 1 durch Hinterlegung hervorgehobenen -notierten Definitionsgleichungen sollen nun in die Relationsmatrix Gl. (4) implantiert werden.
Dazu werden zunächst zwei einfache Matrizenoperationen eingeführt, die die Reflexivitäts- bzw. Symmetrieeigenschaften der binären Relation beschreiben:

Damit erhält man die in Tabelle 2 zusammengefaßten -notierten Definitionsgleichungen.
Eine binäre Relation heißt ..., wenn sie die Bedingung ... erfüllt.
-Notation
reflexiv (Einheitsmatrix)
irreflexiv (Nullmatrix)
symmetrisch
antisymmetrisch
asymmetrisch
Tabelle 2: Spezielle binäre Relationen in ,-Notation
Zur Implantation der Transitivitäts- bzw. Intransitivitätsbedingung
(7)

in Indexschreibweise
(8)
in die Relationsmatrix (Bild 1) ist eine weitere Umformung von Gl. (8) erforderlich:
(9)


Bild 1: Implantation von Gl. (7) in (kartesische Notation)

Gl. (9) besagt: Für alle Felder der Relationsmatrix ist die Erfüllung der Bedingungsgleichung
(10)
alternativ formuliert:
(11)
zu überprüfen. Die Berechnung der rechten Seite von Gl. (11) für alle Felder gewinnt dann die Form des nachstehenden Algorithmus (A1) mit dem Arbeitsschema Bild 2:

Im Falle vorliegender Transitivität und bei alleiniger Ausführung der oberen Operation ergibt sich für kein derartiges Arbeitsfeld eine Änderung im Arbeitsschema, dasselbe gilt für vorliegende Intransitivität und alleinige Ausführung der unteren Operation; schlkA1 hat dabei die ursprüngliche Bedeutung einer Bedingungsgleichung. In allen anderen Fällen bewirkt schlkA1 mindestens einmal eine Änderung im Arbeitsschema, ist dann also Bestimmungsgleichung (schlkA1 ist in Erweiterung von Gl. (11) als Ergibtanweisung definiert!).
Die so definierten Matrizenoperationen heißen .


Algorithmus (A1): Berechnung von it und it


Bild 2: Algorithmus (A1), Arbeitsschema

Damit können nun auch die restlichen Definitionsgleichungen von Tabelle 1 in der kompakten -Notation angegeben werden: Tabelle 3.
Eine binäre Relation heißt ..., wenn sie die Bedingung ... erfüllt.
-Notation
transitiv it
intransitiv it
Äquivalenzrelation
 
  it
irreflexive
Halbordnungsrelation it
reflexive
Halbordnungsrelation it
Tabelle 3: Spezielle binäre Relationen in ,-Notation
Der Hauptsatz über transitive Relationen ist unter Benutzung des nun zur Verfügung stehenden erweiterten Matrizenkalküls sehr konstruktiv formulierbar:
Jeder reflexiven/irreflexiven symmetrischen/antisymmetrischen transitiven binären Relation in läßt sich durch

genau eine reflexive/irreflexive symmetrische/antisymmetrische binäre Relation in , das ,,Skelett``von ,zuordnen, aus der durch wiederum genau erhalten wird (Bild 3); die Rekonstruktion ist die Umkehrung der Reduktion.


Bild 3: Hauptsatz über transitive Relationen


Bild 4:

17.1

Zeigen Sie, daß für die Matrizenoperationen und folgende Beziehungen gelten:

17.2

Zeigen Sie, daß sich als ,,Potenzreihe``über der algebraischen Struktur darstellen läßt:
(16)
mit
(17)
(18)
(19)

17.3

Geben Sie eine ähnliche Potenzreihe für an.

17.4

Zeigen Sie, daß die Matrizengleichungen
(20)
über die Lösung
(21)
besitzen.

17.5

Der Relationsgraph einer asymmetrischen binären Relation in ist genau dann kreisfrei, wenn gilt
(22)
Verifizieren Sie Gl. (22) und zeigen Sie dabei, daß es dann eine kleinste natürliche Zahl mit gibt, so daß gilt
(23)

17.6

Zeigen Sie, daß es für re eine kleinste natürliche Zahl mit gibt, so daß gilt
(24)
Dann ist
(25)

17.7

Zeigen Sie, daß die Aufwärtsiterierte der Adjazenzmatrix eines Relationsgraphen die Erreichbarkeitsmatrix dieses Graphen ist.

17.8

Konstruieren Sie eine nichttriviale asymmetrische binäre Relation in , die zugleich transitiv und intransitiv ist.

17.9

Geben Sie Bildungsvorschriften für an.


Aufgaben |  Lösungshinweise | Demonstrationsprogramm
Die Module